„Liebhabtiere“ helfen Kindern in Haselünne

16.06.2015
Die Kampagne hatte noch gar nicht richtig angefangen, da stapelten sich dank der fleißigen und geschickten Hände emsländischer Landfrauen aus Haselünne und Wesuwe-Siedlung bereits rund 50 große, mittlere und kleine Liebhabtiere aus Stoff auf den Tischen des Kunsttherapieraumes der psychiatrischen Klinik St. Vinzenz-Hospital Haselünne. Ausgegeben werden diese Liebhabbären, Liebhabkatzen und Liebhabteddys, um nur einige Kuscheltiere aus dem Ideenpool der Landfrauen herauszugreifen, an Kinder psychisch kranker Eltern.

Eltern erkrankt
Marius Houchangnia, Leiter der Fachklinik, gerät mit Blick auf die vielen Kuscheltiere regelrecht ins Schwärmen. „Absolut grandios. Es ist sehr wichtig, dass auch mal an die Kinder gedacht wird, die unter der Erkrankung der Eltern leiden. Sie sind im Klinikbetrieb immer ein bisschen

Außenseiter“.
Wenn man ihnen nun beim Besuch in der Klinik ein mit viel positiver Energie hergestelltes Liebhabtier schenke, dann erhielten sie Zuwendung und Wertschätzung, berichtet Kunsttherapeutin Anke Keuter bereits von ersten positiven Rückmeldungen. Es habe sogar eine erkrankte Mutter nach einem Liebhabtier für sich gefragt.
Die Idee zur „Kampagne für Kinder psychiatrieerfahrener Eltern“ (KKPE) hatte die international bekannte Regisseurin und Produzentin von Psychiatriefilmen Andrea Rothenburg (Berlin), die bereits im vergangenen Jahr im Kino Meppen mit mehreren Filmen und einer Podiumsdiskussion für mehr Empathie gegenüber psychiatrisch erkrankten Menschen warb.
Sie holte sich dazu Heike Korthals, Schirmherrin der Kampagne und selbst einst psychisch krank, mit ins Boot. Bei der Vorstellung der Kampagne in Haselünne sagte Korthals, „ich bin heute immer noch böse auf meine Krankheit. Ich wollte nur eine gute Mutter sein. Das kam dabei raus, ein Kreislauf ohne Ende“. Heute ist sie eine engagierte Kämpferin, die frei über das immer noch große Tabuthema psychiatrischer Erkrankungen spricht und Mitmenschen Mut machen will. Ganz besonders setzt sie sich für deren Kinder ein, „die im Räderwerk der Klinik unterzugehen drohen“.

Politisch tätig werden
„Dass in der Klinik kein Platz für Kinder ist, ist kein böser Wille“, stellte Andrea Rothenburg fest. Hier müsse was getan werden, bevor auch die Kinder in Depressionen fielen. Rothenburgs Forderung: „Es muss in jeder Klinik ein Kinderbeauftragter eingesetzt werden“. Man werde jetzt auch politisch in Erscheinung treten. „Wir haben zum 1. Mai den bundesweiten Verein ‚Psychiatrie in Bewegung« gegründet, der der Psychiatrie mehr Platz einräumen will“. Nach Rendsburg ist Haselünne die zweite Station, bei der die Kampagne an die Öffentlichkeit tritt. Als nächste Station ist Rickling bei Bad Segeberg geplant.
Anke Keuter stieß, als sie vor vielen Wochen die emsländischen Landfrauen ansprach, ob sie für die Kinder Liebhabtiere häkeln, nähen, filzen, stricken oder ganz einfach basteln könnten, auf eine tolle Resonanz beim Landfrauenverein Haselünne und in Wesuwe-Siedlung. Schon Ende April hatten acht Frauen rund 40 Liebhabtiere geschaffen.

Großes Engagement
„Es ist schön, dass wir hier zur Klinik Kontakt bekommen“, gewinnt Dorothea Bartels (Westerlohmühlen), Vorsitzende des Landfrauenvereins Haselünne, der Kampagne viel Positives ab. „Mich hat gleich der Focus auf die Kinder angesprochen“. Inzwischen hat sogar der Sprachheilkindergarten in Papenburg sich der Kuscheltiere verschrieben. „Plötzlich wurden uns von dort 15 wunderschöne Kuscheltiere übergeben, erstellt vom dortigen Kollegium und einer Mutter“. Wer sich an der Kampagne beteiligen möchte, kann sich bei Anke Keuter, Telefonnummer 05961/503411 melden Homepage: www.psychiatrie-filme.de

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